Zugreise nach Helsinki (3): Ausreise aus der EU

Die Nacht ist unruhig und ich finde wenig Schlaf: der Zug rattert und wackelt, die Heizung lässt sich nicht regeln und bläst heiße Luft in das Abteil, Fenster kann man nicht öffnen. Außerdem ist am frühen Morgen der Grenzübertritt nach Belarus (Weißrussland) und ich habe Sorge im Tiefschlaf unsanft von einem weißrussischen Grenzer überrascht zu werden. Bei jedem Halt spitze ich aus dem Fenster, um zu erahnen, wo wir sind.

Es war wohl kurz nach 02:00 Uhr als mich dann doch die Müdigkeit und Anspannung überkommt und ich in einen tiefen Schlaf falle.
Plötzlich rüttelt und klopft es an der Tür unseres Abteils. Ich schrecke auf: 03:00 Uhr. Die Tür geht auf, der Zugbegleiter ruft „Granitsa“ in unser Abteil.
Das kann doch nicht schon die Grenze sein? Der Zug soll doch erst um 07:00 Uhr (also 06:00 Uhr nach der deutschen Zeit) in der Grenzstadt Brest ankommen. Die Zimmernachbarn sind alle auf den Beinen. Völlig übermüdet räumen wir unser Bettzeug beiseite und ziehen uns an. Tatsächlich fahren wir in einen Bahnhof ein und polnische Grenzpolizei kontrolliert uns. Etwa 30 Minuten später: der Zug war nur ein paar Kilometer weitergefahren, halten wir mitten in der polnisch-russischen Nacht. Nur eine kleine erleuchtete Barracke am Bahngleis. Kein Bahnsteig. Wie aus dem Nichts taucht plötzlich ein ganzes Heer weißrussischer Grenzwächter im Zug auf. Einer will unsere Pässe sehen. „Sebastian?“ – „Ja … ehh … Da!“ Strengen Blickes nickt er mir zu.
„Melita?“ – „Da!“
Das russische Formular, welches wir tags zuvor in die Pässe gelegt haben interessiert ihn nicht und er gibt es uns genervt zurück. Wir sollen eine – diesmal zweisprachig gestaltete – Migrationskarte ausfüllen. Die Pässe nimmt er mit und verschwindet.
Uniformierte, Menschen in Anzügen und Ledermänteln gehen durch den Zug und werfen prüfende Blicke in unser Abteil. Einer nimmt sogar das russische Formular mit.

Nach knapp einer Stunde kommt der Pass zurück und kurz darauf rollen wir wieder. Ganz langsam, wohl nur ein paar hundert Meter weiter an ein dunkles Gebäude. Durch das Fenster kann ich den englischen Schriftzug erkennen: „Customs“.
Wieder ein paar Kontrollen.

Endlich geht es weiter.

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