Wahltag

Heute wird in Island gewählt – Stadt- und Landratswahlen. Da kann man eigentlich über alles Berichten.

Über Parteiprogramme zum Beispiel.
Die „Links-Grünen“ sind gegen die Nato und Pro-Feminismus. Die Sozialdemokraten für mehr Bildung und „smart economy“ im Bildungsbereich. Dass der Flughafen in Reykjavik bleiben soll, meinen die Liberalen.

Oder Wahlprognosen.
Wie diese hier: Da gibt es die „Progressive Party“ (kann man das mit Fortschrittspartei übersetzen?) die nach allen Umfragen einen Sitz dazugewinnt. Diesen Sitz müssen wohl die Unabhängigen („Independent Party“) abgeben und kommen dann insgesamt auf 7 Sitze. Gerade zu knapp um bei insgesamt 15 Sitzen auf die Mehrheit zu kommen.

Man kann sich an solch einem Tag aber auch mal versuchen aktiv die Umweltpolitik Islands zu beeinflussen. Und die sieht momentan so aus – eine Bestandsaufnahme.
Mit ein paar chemischen Spielereien mit Tonerde, 1000 Grad heißen Schmelztiegeln und mehreren 100 Tausenden Ampere Gleichstrom kann man Aluminium herstellen. Eigentlich alles, was man dazu braucht, ist Energie. Und das in Mengen.
Die Produktion von einer Tonne Aluminium verschlingt etwa soviel Strom, wie ein deutscher Durchschnittshaushalt in mehr als fünf Jahren verbraucht. Weltweit werden jährlich 24 Millionen Tonnen davon produziert.
Vor einigen Jahren begannen nun Aluminiumhersteller wie Alcoa oder Alcan den billigen Strompreis in Island zu entdecken und verlagern ihre Produktionsstätten – mit großzügiger Unterstützung der isländischen Regierung – nach Hafnafjörður oder Grundartangi.
Selbst die Transportkosten für den nötigen Rohstoff Bauxit von Australien und Brasilien nach Island rechnen sich bei dem hiesigen Strommarkt.

Im Juli 2002 unterzeichneten die isländische Regierung, der isländische Energieversorger Landsvirkjun und der Aluminiumhersteller Alcoa eine Vereinbarung über den Bau einer neuen Aluminiumhütte im Osten Islands. Die dort entstehende Aluminiumhütte wird mit etwa 1.000 Arbeitsplätze und einer Produktionsmenge von 322.000 Tonnen Aluminium die größte Aluminiumhütte Europas.
Den Strom dafür liefert ein neues Wasserkraftwerk im Osten Islands, das ab 2008 die neu errichtete Hütte mit 690 MW Stromleistung aus 6 Turbinen versorgen soll.
Der 420m hohe Staudamm soll die Kárahnjúkar-Schlucht in einen riesigen See verwandeln.

Die Meinungen in Island über dieses Projekt sind gespalten. Auf der einen Seite stehen mehrere tausende Beschäftigte, die ihr täglich Brot in den Aluminiumhütten verdienen, auf der anderen Seite Naturschützer, die um die einzigartige Natur kämpfen.
Mit Veranstaltungen wie jenes im Januar stattgefundene Konzert stellen sich auch viele isländische Künstler wie Björk, Sigur Rós, Hjálmar oder K. K. auf die Seite der Naturschützer.
Realistischen Einschätzungen zu Folge ist allerdings das Kárahnjúkar-Projekt und die davon versorgte Aluminium-Hütte in Reyðarfjörður nicht mehr zu stoppen.

Vor einigen Tagen wurde nun bekannt, dass „intensive Gespräche“ zwischen Alcoa und Regierungsvertretern um ein weiteres Werk nahe Akureyri „sehr positiv“ waren.
Die Reaktion der Gegner blieb nicht lange aus. Auf dem Protestmarsch „Islandsvinir ganga“ heute durch die Innenstadt und anschließende Konzerte auf dem Austurvöllur wurde dem Ärger über die Regierungspläne lautstark Luft gemacht.
Die Open-Air-Atmosphäre und satte Musik von K.K., Benni Hemm Hemm, Flís, Hjálmar, Steindór Andersen hat den ein oder anderen vielleicht zu der Unterschrift auf den Protestlisten bewegt.

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