Schneesturm und Eiseskälte

Die Nacht war ruhiger als der Wetterbericht prophezeite und ich wache gegen acht von einem Sonnenstrahl auf. Aus meiner Koje kann ich auf den Álftavatn-See blicken – was für ein Morgen!
Vor dem Toilettenhäuschen treffe ich die drei Studenten wieder. Dank des ausbleibenden Sturmes hatten die Drei eine ruhige Nacht. Für sie geht es heute weiter nach Emstrur, mein Weg führt mich nach Hrafntinnusker. Der Weg soll steil und nicht sonderlich einfach sein, also sehe ich zu, dass ich nach dem Frühstück zeitig loskomme. Nach etwa 3 Kilometern entlang eines kleinen Baches in einem sanften grünen Tal liegt der Aufstieg vor mir. Auf gerade 2 Kilometern muss ich 800 Höhenmeter überwinden. Bei jedem Schritt auf dem sandigen Hügel rutscht man ein gutes Stück zurück. Das Vorankommen ist schwierig.
Wieder ist ein scharfer Wind aufgezogen, was das Hochsteigen noch mehr erschwert. Oben erschöpft angekommen führt mich der Weg – fast eben – über sanfte Hügel bis zur Hütte.
Nur gegen den immer stärker werdenden Sturm muss ich ankämpfen. Manchmal habe ich Sorge, dass ich davon geweht werde. Auf dieser Strecke lege ich kaum eine Pause ein – bei diesem Sturm einfach zu ungemütlich. Und schützende Steine gibt es kaum.

Die Landschaft hat sich gegenüber meiner letzten Etappe absolut gewandelt und fasziniert mich aufs Neue. Die Landschaft, Berge, Hügel und Täler schimmern in vielen tollen Pastellfarben: Grün-, Braun-, Rot- und gelb-töne mischen sich mit kaltem Blau und Weiß der Schneefelder. Das Rhyolithgebirge ist eine einzige Farbenpracht und extremer Kontrast zu dem schwarz-weiß meiner vorigen Etappen.

Der eiskalte, orkanartige Sturm lässt mich meine Winterausrüstung herausholen. Mit dicker Mütze, Handschuhen und in die winddichte Jacke verpackt kämpfe ich gegen den Wind an.

Mit der Zeit komme ich in das Gebiet der Hot-Springs. Die Schwefelquellen dampfen an fast jedem Hügel und ergeben ein fantastisches Bild über die Hochebene. Manchmal führt mich der Track direkt an den heißen Quellen vorbei. Einfach toll! Die stark nach Schwefel riechenden Dämpfe, die kleinen Löcher aus denen es blubbert – die Erde lebt.
Vorbei an schwefelgelb gefärbten Flussbetten, roten Bergen und Schneefeldern.

Am Nachmittag erreiche ich die Hütte Hrafntinnusker. Eine einfache Unterkunft mit Plumpsklo abseits der Hütte. [GPS 63° 56,038 N / 19° 10,068 W / 1101m ü. NN]

Ein paar Minuten nach meinem Eintreffen legt unvermittelt ein heftiger Schneesturm los. Im Nu ist die ganze Ebene mit einer weißen Schicht überzogen. In der Hütte – die vom benachbarten Hot-Spring geheizt wird – ist es gemütlich warm.
Sogar durch das benachbarte Plumpsklo-Häuschen führt die warme Leitung. Das Örtchen ist dadurch zwar einigermaßen warm, riecht aber auch entsprechend.

Nach dem Schneesturm breche ich noch zu einer kleinen Erkundungstour auf. Der Wind bläst immer noch heftig und das Hüttenthermometer zeigt -1 °C an. Die bekannten Eishöhlen liegen etwa eine Stunde Gehzeit von hier entfernt. Die Kräfte reichen für diese Tour heute jedoch nicht mehr.
Von dem Berg neben der Hütte hat man einen faszinierenden Blick über Reykjafjöll und das Umland.
Die Hütte neben dem Hotspring liegt auf 1128 m – direkt neben dem Höskuldsskáli. Höchster Punkt meiner Tour.

Zum Abendessen gibt es Penne Carbonara in der proppenvollen Hütte. Wie es der Zufall so will, sitzt mir gegenüber ein filmender Tonmeister aus New York. So entwickelt sich gleich – dass ich in diesem kurzen Urlaub auch ja nix vergesse – ein Gespräch über Schnittprogramme, Bitraten und Abtastraten. Fachsimpelei auf über 1000 m Höhe.

Bettruhe nach vielen interessanten Gesprächen mit dem New Yorker um 22:45 Uhr.

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